Warum ich mich selbst fotografiere – obwohl ich Fotografin bin
Ich stelle mich regelmäßig selbst vor die Kamera. Damit meine ich nicht das Foto- und Videomaterial, das ich heute für Social Media brauche. Hätte mir vor zehn Jahren jemand gesagt, dass ich einmal so selbstverständlich Videos von mir machen würde, ich hätte es nicht geglaubt. Das ist aber nicht allein der Grund.
Ich gehe ganz bewusst immer wieder in die Rolle meiner Kundinnen, stelle mich in Shootingoutfits ins Blitzlicht. Als Frau.
Manchmal bitte ich meinen Mann oder eine Freundin, ein paar Fotos von mir zu machen. Manchmal arbeite ich mit dem Selbstauslöser. Das Setting bestimme ich selbst. Ich kümmere mich um Licht und Kameraeinstellungen, entscheide, wie ich mich zeige und was ich trage. Eigentlich habe ich alles unter Kontrolle.
Und trotzdem fühlt es sich jedes Mal ein wenig anders an, als ich es erwarte.
Vor der Kamera treten Routine und Wissen erstaunlich schnell in den Hintergrund. Plötzlich blinzele ich ins grelle Licht. Meine Hüfte fühlt sich steif an. Bewegungen, die ich bei anderen Frauen liebe, gelingen mir selbst nicht so mühelos. Da sind sie wieder, diese Gedanken, die ich von meinen Kundinnen so gut kenne. Zweifel. Vergleiche. Innere Kritiker.
Genau deshalb mache ich diese Fotos.
Weil sie mich an das Gefühl erinnern, das entsteht, wenn man sichtbar wird.
An die Unsicherheit. Und an das, was möglich wird, wenn man bleibt.
Vor der Kamera fühlt sich alles anders an
Hinter der Kamera bin ich sicher. Ich sehe, was funktioniert. Ich erkenne Spannungen, Stimmungen und kleine Veränderungen im Ausdruck. Vor der Kamera verliert all das an Bedeutung.
Obwohl ich weiß, wie Licht wirkt, kneife ich die Augen zusammen. Obwohl ich Posen anleiten kann, fühlt sich mein eigener Körper plötzlich fremd an. Ich merke, wie ungewohnt manche Bewegungen sind und wie schnell ich beginne, mich selbst zu hinterfragen.
Diese Erfahrung ist jedes Mal ernüchternd. Und gleichzeitig wertvoll.
Sie zeigt mir, dass Wissen nicht vor Verletzlichkeit schützt.
Und dass Unsicherheit nichts mit fehlender Erfahrung zu tun hat.
Wenn ich selbst vor der Kamera stehe, verstehe ich noch einmal neu, wie viel Mut es braucht, sich fotografieren zu lassen. Auch dann, wenn man angezogen ist. Auch dann, wenn man glaubt, zu wissen, wie es geht.

Mein Körper erinnert sich schneller als mein Kopf
Mein Körper reagiert oft schneller als mein Verstand. Noch bevor ich einen Gedanken zu Ende denke, spannt sich etwas an. Der Atem wird flacher. Bewegungen fühlen sich plötzlich eckig an.
Ich werde dieses Jahr 42. Mein Körper hat sich verändert. Durch die Zeit. Durch Stress. Durch meine Schwangerschaft. Vieles fühlt sich heute anders an als früher.
In meinen Zwanzigern war ich härter zu mir. Ungeduldiger. Kritischer. Ich wollte funktionieren, gut aussehen, gefallen. Ich habe viel Sport gemacht und akribisch auf meine Ernährung geachtet. Rückblickend hatte ich vor allem eines: sehr viel Druck. Und erstaunlich viel Zeit.
Heute bin ich nicht immer zufrieden mit dem, was ich sehe. Aber ich bin nachsichtiger. Spätestens nach meinem Burnout 2023 habe ich gelernt, die Signale meines Körpers ernster zu nehmen. Nicht perfekt, aber bewusster.
Diese Erfahrung verbindet mich sehr mit meinen Kundinnen. Viele von ihnen sind in einem ähnlichen Alter oder älter. Sie bringen Lebenserfahrung mit. Ihre Körper und Gesichter erzählen Geschichten. Und oft tragen sie den Anspruch in sich, längst souverän sein zu müssen.
Ein Fotoshooting für Frauen ist aber eben keine Alltagssituation mit Routine. Für die meisten von uns ist es ein Schritt aus der Komfortzone. Unsicherheit gehört dazu. Sie ist kein Zeichen von Schwäche, auch wenn wir uns das gerne vorwerfen.
Die gleichen Unsicherheiten wie bei meinen Kundinnen
Wenn ich selbst fotografiert werde, tauchen dieselben Gedanken auf, die ich so oft höre. Sie sehen vielleicht anders aus, fühlen sich aber gleich an.
Ob dieser Blick wirklich gut aussieht.
Ob diese Haltung unvorteilhaft wirkt.
Ob man später denkt, man hätte sich besser anstellen können.
Ich merke dann, wie schnell ich anfange, mich innerlich zu kommentieren. Wie vertraut diese Stimme ist. Und wie wenig hilfreich.
Der Unterschied zu früher ist nicht, dass diese Gedanken verschwunden wären. Sondern dass ich ihnen nicht mehr alles glaube. Heute weiß ich, wie ich umschalten kann. Ich höre auf, mich zu beobachten. Ich spüre meinen Atem. Ich bin nicht mehr damit beschäftigt, wie ich wirke, sondern fühle den Moment.
Dieser Moment lässt sich nicht erzwingen. Er entsteht nicht durch Anstrengung. Er kommt, wenn Druck nachlässt. Wenn niemand etwas erwartet. Auch ich selbst nicht.
Genau diesen Moment suche ich.
Und genau diesen Moment wünsche ich mir für jede Frau, die zu mir ins Shooting kommt.
Denn ab hier verändern sich Bilder. Nicht technisch. Sondern in ihrer Wirkung.


Warum mich das zu einer besseren Fotografin macht
Meine eigenen Erfahrungen vor der Kamera schärfen meinen Blick. Ich erkenne schneller, wenn etwas nicht passt. Wenn eine Richtung eher verunsichert, statt zu stärken.
Ich weiß, wie fragil Sicherheit ist. Und wie wichtig Zeit, Ruhe und Wertschätzung.
Meine Aufgabe ist es, den Überblick zu behalten. Den Rahmen. Das Tempo. Die Atmosphäre. Damit Du Dich auf Dich selbst konzentrieren kannst, statt darüber nachzudenken, was Du richtig oder falsch machst.
Was das für Dein Shooting bedeutet
Du musst nichts können.
Du musst nichts üben.
Du musst keine bestimmte Art von Frau sein.
Dein Körper muss keine Norm erfüllen. Er darf einfach da sein.
Du darfst unsicher sein. Still. Laut. Zögerlich. Neugierig. Verrückt.
Alles davon hat Platz.
Wenn ich mich selbst fotografiere, erinnere ich mich daran, wie sich dieser Raum anfühlen muss. Sicher. Offen. Ohne Bewertung.
Und genau diesen Raum öffne ich für Dich.

