2025 war mein erstes Jahr, in dem ich komplett in die Selbstständigkeit gegangen bin. Ohne Sicherheitsnetz, ohne „Ich habe ja noch meinen Hauptjob“, ohne Plan B. Nach 17 Jahren nebenberuflicher Arbeit als Fotografin.
Ich war also ein super erfahrene Anfängerin … Nicht das Fotografieren, das Anleiten beim Shooting, die Bildbearbeitung waren für mich neu, nicht mal die Idee, Frauen auf eine Weise zu fotografieren, die ihnen nicht nur schöne Bilder schenkt, sondern etwas zurückgibt, ihnen mehr Selbstbewusstsein und Wertschätzung verleiht. Das alles war schon lange Teil meiner Arbeit. Doch der Umstieg von Neben- auf Hauptjob, der war dann doch der Hammer.
Klar, ich habe schon irgendwie gewusst, dass da ordentlich was auf mich zukommt, aber es dann zu durchleben, steht eben noch mal auf einem anderen Blatt. 2025 war alles dabei: Motivationshochs, geniale Kreativschübe, schiere Existenzangst, Euphorie, Frust, Durchbrüche, Rückschläge, Erkenntnisse, Tränen, Dankbarkeit, Freudensprünge. Ein wilder Mix, der mich als Fotografin, Frau und Mama ganz schön gefordert, aber auch wachsen gelassen hat.
Mut-Momente, die mich getragen haben
Einer der größten Schritte war, zu meinen Preisen zu stehen. Als nebenberufliche Fotografin war ich einfach viel zu günstig. Dafür schäme ich mich im Nachhinein ein bisschen. Das Schlimme daran ist aber eigentlich, dass es sich für mich fast verboten anfühlte, endlich realistische Preise aufzurufen. Heute weiß ich: Meine Preise sind fair – und viele Frauen zahlen sie gerne.
Gedanken wie „Darf ich das überhaupt verlangen? Das bin ja nur ich. Und es macht mir ja auch noch Spaß.“ sind Bullshit. Der Wert liegt nicht nur im Foto, sondern im Gefühl, das meine Kundinnen mitnehmen. Und dass ich das Fotografieren so liebe und mit Leidenschaft dabei bin, macht meine Arbeit nicht weniger wert, im Gegenteil.
Marions Nachricht werde ich nie vergessen: Sie likte monatelang jeden Post und schrieb mir dann völlig unkompliziert auf WhatsApp, dass sie ein Shooting bei mir machen möchte – ohne Preisdiskussion, ohne Zögern:
„Hallo Susanne, ich bin ein richtiger Fan von dir und deiner Fotografie und möchte es gern einmal wagen und mich von dir fotografieren lassen. Ich fände es toll, wenn wir im August einen Termin finden würden! Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!“
Ich saß da gerade krank und verschwitzt auf einem Business-Retreat auf Mallorca, halb verzweifelt, halb überfordert – und dann diese Nachricht. Ein paar Zeilen, die mir direkt die Tränen in die Augen trieben. Und das Shooting? Ein absoluter Traum. Als sie beim Bildkauf wie selbstverständlich das größte Paket wählte und uns sogar Pralinen als Extra-Dankeschön mitbrachte, war ich nicht nur unendlich gerührt, sondern auch bestätigt in meiner Überzeugung: Wertschätzung erzeugt Wertschätzung.
Je länger ich so intensiv mit Frauen arbeite, desto klarer sehe ich, wie wenige empowernde Räume es für Frauen 50+ gibt. Wie wichtig meine Arbeit für Frauen ist, die nicht ins „Oma-Klischee“ gedrückt werden oder sich mit der Rolle der „unsichtbaren Frau mittleren Alters“ zufriedengeben wollen, sondern ihre Sinnlichkeit leben und zeigen möchten. Frauen, die sich nach Jahrzehnten endlich trauen, Facetten von sich zu zeigen, die sie ihr Leben lang unterdrückt haben. Frauen, die sichtbar werden zu ihren eigenen Bedingungen. Diese Entwicklungen, dieses Ausbrechen und Aufblühen meiner Kundinnen zu sehen, ist so unfassbar bewegend und inspirierend. Ich fotografiere keine professionellen Models, keine Millionäre, sondern ganz normale Frauen mit den unterschiedlichsten Backgrounds. Rentnerinnen, Pflegekräfte, Krankenschwestern, Coachinnen, Reinigungskräfte, Mütter, Sachbearbeiterinnen, IT-Expertinnen, Teamleiterinnen und viele mehr.
Glamour und Echtheit schließen sich dabei für mich nicht aus. Ich liebe es z. B., wie die Augen meiner Kundinnen leuchten, wenn sie meinen Shootingkleiderschrank zum ersten Mal sehen. Und da ist es ganz egal ob sie 5 oder 50 sind. Frauen zu empowern, sich zu trauen, ihr Traumoutfit anzuziehen, ist absolut großartig für mich. Wie viele von uns denken, sie seien zu alt, zu dick oder zu sonstwas, um etwas Bestimmtes zu tragen. Und ich rede hier nicht von total abgefahrenen Bühnenoutfits, manchmal ist es auch nur eine Farbe. Vor Rot zum Beispiel schrecken viele zurück und merken dann, wie es sie im Shooting zum Strahlen bringt. Meine Stammkundin Nadine sagte mir im Interview nach dem ersten Shooting:
„Ich habe erst im Shooting gemerkt, wie gut mir rot steht. Das habe ich mich früher nie getraut. Jetzt trage ich es dauernd!“

Learnings, die ich mir dieses Jahr schmerzhaft und teuer erkauft habe
Dieses Jahr habe ich gelernt, wie wichtig Unterstützung ist – und wie entscheidend es ist, die richtige Unterstützung zu wählen. Ich habe mich 2024 und 2025 extrem verschuldet für ein Coaching, dessen Preis fünfstellig war – mehr Geld, als ich jemals für irgendetwas bezahlt habe. Und ja, es gab einige Dinge darin, die mich weitergebracht und funktioniert haben. Aber insgesamt war es überteuert, manipulierend, voller Druck und NLP-Tricks. Rückblickend war ich ein leichtes Ziel: frisch aus einem Burnout, verletzlich, auf der Suche nach Halt. Heute frage ich mich, wie ich mich so habe drängen lassen können.
Denn ich weiß:
- Ich hasse „Fake it till you make it“.
- Ich hasse Verkaufsskripte, die so falsch und übertrieben klingen wie der Teleshopping-Kanal.
- Ich hasse künstliche Selbstoptimierungs-Blabla.
- Ich will keine Fließbandshooting bei denen ich ständig auf die Uhr schielen muss.
- Ich will mehr Zeit und Raum für echte Verbindung und empowernde Projekte.
- Ich will nicht einfach nur verkaufen. Ich will bewegen und begeistern.
Was ich dafür aber endlich verstanden habe: Meine Preise sind fair und ich helfe niemandem, wenn ich mich unter Wert verkaufe und selbst finanziell ausblute. Ein Female-Empowerment-Shooting bedeutet im Schnitt insgesamt rund 24 Stunden Arbeit – Vorbereitung, Kennenlernen, Stylingplanung, Studioaufbau, Shooting, Auswahl, Retusche, Bildpräsentation. Dazu kommt die emotionale Arbeit, die man nicht in ein Coaching-Skript pressen kann, weil sie total individuell ist. Weil jede Frau etwas anderes braucht. Christiane hat das in ihrem Blogartikel über ihr Female Empowerment Shooting bei mir sehr schön aus ihrer Sicht beschrieben. Wie wichtig es z. B. ist, als Fotografin keinen Druck aufzubauen, erst einmal zu schauen, was jemand braucht, um sich vor der Kamera zu öffnen, wann liebevolle Unterstützung, wann auflockernder Humor gefragt ist und wann „einfach machen lassen“.

Begegnungen, die mich berührt haben
Dieses Jahr war reich an Frauen, die mich beeindruckt und bewegt haben. Jede Kundin ist für mich wertvoll und berührt mich auf ihre Weise. Ich könnte den ganzen Artikel nur mit wundervollen Begegnungen füllen. Hier nur ein paar Beispiele:
Amy werde ich nie vergessen. Sie hatte echt wenig Geld, aber als sie ihre Bilder sah sagte sie sofort: „Susanne, ich nehme alle!“ Kein Zweifel, kein Zögern. Nur Amy, mit Tränen in den Augen, die mich immer wieder drückte und fassungslos vor Glück war. Dieser Moment war ein Geschenk für uns beide.
Beate, die ich vor Jahren als frischgebackene Mama mit ihrer Familie vor der Linse hatte, damals im Hintergrund, jetzt im Fokus: Sie hatte sich nach Krankheit und Trennung selbst neu zusammengesetzt und erkannte im Empowerment Shooting ihre Stärke und Schönheit auch endlich selbst an. 8 Monate nach dem Shooting hält dieses Gefühl noch immer an, schrieb sie mir erst kürzlich via Whatsapp.
Oder Nadine, deren Geschichte mich seit ziemlich genau einem Jahr begleitet. Vom traumatischen Shooting-Erlebnis bei einem anderen Fotografen hin zu vier empowernden Shootings mit mir und einem komplett veränderten Leben. Es war sehr bewegend für mich ihre Entwicklung live mitzuerleben und jedes Shooting mit ihr ist wundervoll.
Solche Frauen und ihre Geschichten sind der Grund, warum ich nichts anderes als Female Empowerment Fotografin sein möchte.
Herausforderungen, die mich fast in die Knie gezwungen hätten
Dieses Jahr war hart, teilweise härter als erwartet: Ghosting. Ständig neue Rechnungen. Bürokratiewahnsinn. Instagram-Druck. Männer, die mich telefonisch belästigten. Kundinnen, die sich von ihren Partnern ihren Traum ausreden ließen. Alltag als Mama einer willensstarken 4-Jährigen. All das und weiteres hat mich mehr Kraft gekostet, als ich vorher ahnen konnte und wollte.
Und dann war da der Coach, der mir ins Gesicht sagte:
„Female Empowerment Shootings? Das ist ein Nischenprodukt. Davon kann man nicht leben.“
Damals hat mich das verletzt und verunsichert. Heute macht es mich wütend.
Denn was er eigentlich meinte, war:
„Frauenprojekte sind nicht relevant. Frauenbedürfnisse sind kein echtes Business.“
Genau diese patriarchale Haltung sehe ich überall:
Frauenprodukte sind so lange „wirtschaftlich sinnvoll“, wie sie Männern dienen. Sobald Frauen aber etwas für sich selbst wollen, wird es als Luxus oder Egoismus abgetan. Genau darüber habe ich in meinem Artikel „Die größte Lüge übers Frau-Sein“ geschrieben – und darüber, wie tief die Konditionierung sitzt, dass Frauen erst schön, perfekt, fertig oder „es wert“ sein müssen, bevor sie sich etwas gönnen dürfen.
Diese Konditionierung zeigt sich auch in meinem Business:
Viele Frauen wollen ein Shooting, sehnen sich danach, aber sie stellen sich selbst hinten an. Erst die Kinder, erst der Partner, erst die Bedürfnisse aller anderen – dann vielleicht sie selbst. Aber bitte nichts zu Großes.
Und wenn sie dann doch investieren wollen, hören sie oft genau die Sätze, die ich aus anderen Kontexten nur zu gut kenne:
„Zu teuer.“
„Wir haben andere Prioritäten.“
„Muss das wirklich sein?“
Diese Mechanismen sind nicht individuell, sie sind strukturell.
Und gleichzeitig ist da meine eigene Realität:
Ohne meinen Mann hätte ich einige Monate finanziell nicht überstanden.
Das war schwer für mich zu akzeptieren, weil finanzielle Unabhängigkeit für mich ein Riesenthema ist – ein Kindheitsding, ein Frauenthema, ein Gesellschaftsthema.
Aber der Punkt ist:
Meine kurzzeitige finanzielle Abhängigkeit bestätigt nicht, dass der Coach recht hat. Sie zeigt vielmehr, wie hart Frauen kämpfen müssen, um Businessmodelle aufzubauen, die nicht patriarchalen Mustern folgen, die nicht den Bedürfnissen anderer dienen, sondern Frauen selbst.
Dass mein Business Zeit braucht, liegt nicht daran, dass es „nicht tragfähig“ ist. Es liegt daran, dass Frauen erst lernen müssen, dass sie sichtbar sein dürfen, dass sie Geld für sich ausgeben dürfen, dass sie sich zeigen dürfen, ohne Bedingungen.

Dinge, die ich losgelassen habe
Dieses Jahr hat mich gezwungen, Ballast abzuwerfen:
- den Glauben, immer funktionieren zu müssen
- die Angst vor Technik
- Perfektionismus
- Stylingzwang für Social Media
- Kundinnen hinterherzurennen, die gar nicht zu mir passen
- zu niedrige Preise
- das schlechte Gewissen, wenn ich eine Pause brauche
- nicht gut genug zu sein
Was ich aus diesem Jahr mitnehme
Ich habe gelernt, dass dieses Auf und Ab normal ist und dazugehört. Ich sehe meine Tochter und wünsche mir, dass sie eine Mutter erlebt, die für Freiheit, Sinn und Selbstbestimmung einsteht – nicht für Perfektion. Und trete damit genau in die Fußstapfen meiner Mutter, aber mit dem guten Gefühl, das meine Tochter zwei liebende Elternteile hat, die sich für ihre Bedürfnisse interessieren.
Erfolg sind nicht nur Zahlen. Erfolg ist die Nachricht „Danke, du hast mein Leben verändert.“ Erfolg ist ein Strahlen auf einem Bild, wo vorher nur Furcht und Zweifel war. Erfolg ist jeder kleine Schritt vorwärts, den ich dieses Jahr gemacht habe.
Ich habe meine Reiselust wiedergefunden, hatte inspirierende Shootingreisen nach Dänemark und Portugal, habe gespürt, wie gut es tut, draußen zu arbeiten, am Strand, im Wald, im Wind, mit Frauen, die mutig und lebendig sind. Ich habe video- und technikmäßig einen Quantensprung gemacht, einen eigenen Onlinekurs gebaut, meinen You-Tube-Kanal und einen eigenen Blog gestartet, meine Website komplett neu aufgesetzt und selbst gestaltet. Da ist so viel, was ich geschaffen habe, was im Alltag untergeht.
„Du bist keine Insta-Granny mehr, du machst das super!“ sagte mir eine Freundin neulich, als ich mich wieder selbst kleinreden wollte wegen meines letzten Posts und mit dem Algorithmus haderte. Stimmt. Wenn ich meine Beiträge von vor einem Jahr mit denen von heute vergleiche, habe ich mich krass entwickelt. Reels waren für mich lange der Horror, jetzt liebe ich sie. Ich sage inzwischen öfter zu mir selbst: „Ich kann es noch nicht“ statt „Ich kann das nicht.“ Und ja, das habe ich mir aus einem Kurs in der Kita abgeguckt und sage es auch zu meiner Tochter. Ich merke nämlich, dass die meisten Dinge, die in der modernen bedürfnisbezogenen Kindererziehung für Kinder funktionieren für mich genauso passen.

Was ich mir für 2026 wünsche
Keine Vorsätze, die Druck aufbauen aber eine klare Richtung.
- mehr Authentizität
- weniger „Man macht das so“, mehr „Ich mach das so“
- finanzielle Stabilität – endlich aus dem Minus raus
- meinen Traum empowernde Retreats & Workshops für Frauen weiterverfolgen
- stärkere Vernetzung mit anderen tollen (Business-)Frauen
- Chancen aktiv nutzen, nicht nur träumen
- meine Angebote rund um das Female Empowerment Shooting ausbauen
- noch mehr Frauen erreichen, die wirklich zu mir passen
- mich selbst ernst nehmen – ohne schlechtes Gewissen
Und vor allem: Ich möchte weitermachen. Trotz allem. Weil es sich lohnt. Weil es wichtig ist. Weil jede Frau, die bei mir war, mir zeigt, dass dieser Weg richtig ist.
Ein Gedanke, den Du Dir erlauben darfst
Wenn Du bis hier gelesen hast, dann hast Du dieses Jahr vermutlich selbst einiges getragen. Entscheidungen getroffen, Zweifel ausgehalten, weitergemacht, obwohl es zwischendurch wirklich schwer war. Und wahrscheinlich hast Du – wie so viele von uns – viel zu selten angehalten, um Dir das bewusst zu machen.
Wir sind schnell darin, weiterzudenken, abzuhaken, das Nächste zu planen. Dabei geht so leicht verloren, was wir alles schon geschafft haben. Nicht spektakulär vielleicht, nicht immer sichtbar für andere, aber trotzdem wichtig.
Gönn Dir doch jetzt ein paar Minuten und frage Dich: Was habe ich dieses Jahr geleistet, auch wenn es niemand beklatscht hat? Schreib es Dir auf. Sag es laut. Oder schick diesen Artikel einer Frau, von der Du weißt, dass sie sich selbst viel zu selten anerkennt.

